Es ist schon zu einer Tradition geworden: Alle zwei Jahre packen wir unsere Sachen und fahren Richtung Wittstock. Am Flugplatz Wittstock, wo uns der Fliegerklub immer wieder mit offenen Armen empfängt, finden wir alles was das Segelfliegerherz begehrt. So also auch in diesem Jahr: Ende Juli haben wir unsere Flugzeuge in den Anhängern verstaut, die Winde für den Straßenverkehr vorbereitet und unsere Camping-Ausrüstung zusammengesucht. Am 25. Juli ging es für uns alle los und wir trudelten nach und nach an dem großen Fluggelände auf der Mecklenburgischen Seenplatte ein. Der Motorsegler über den Luftweg und alle anderen Segelflugzeuge über die Straße in Ihren Anhängern.
Am Anreisetag bauten erstmal alle Ihre Zelte auf und die ersten Flugzeuge wurden aufgerüstet. Wir kennen den Flugplatz in Wittstock schon so gut, da braucht es nicht lang, um sich zurecht zu finden. Alle packen sofort mit an und am Sonntag konnten wir schon die ersten Starts machen.
Der Flugplatz in Wittstock ist im Gegensatz zu unserem in Barge deutlich größer und über die gesamte Länge und Breite flach. Diese Eigenschaften machen den Platz insbesondere für die Segelflugausbildung sehr attraktiv und auch für F-Schlepps und Eigenstarter bei jeder Windrichtung nutzbar. Er eröffnet uns Möglichkeiten, die wir an unserem kleinen gemütlichen Platz im Sauerland nicht bei jeder Wetterlage haben.
Neben zahlreichen Windenstarts, starten wir unsere Tage im Lehrgang oft mit F-Schlepps vor dem Frühstück. So früh am Morgen ist die Luft angenehm ruhig. Gleiches gilt für Flüge in den Abendstunden in den Sonnenuntergang hinein. Diese F-Schlepps sind auch für Kunstflüge besonders beliebt, die vor dem sich immer weiter verfärbenden roten Abendhimmel besonders spektakulär aussehen. Wenn dann der letzte Flieger wieder in der Halle verstaut ist, treffen wir uns am Lagerfeuer wieder, an dem wir bei Gitarrenmusik Geschichten vom Tag erzählten und die beliebtesten Segelfluglieder trällerten.
Wenn das Wetter mal zu regnerisch oder stürmisch war, haben wir Zelte und Pavillions festgezurrt und die Zeit mit Gesellschaftsspielen, Ausflügen und Wii-Spielen verbracht. Das macht mit so vielen Leuten erst richtig Spaß und bildet einen schönen Ausgleich zum täglichen Flugbetrieb. Natürlich haben wir bei schönen Wetter auch hin und wieder mal etwas anderes gemacht, als im Flugzeug zu sitzen. An besonders heißen Tagen war der Badesee ein beliebter Treffpunkt für eine gemeinsame Abkühlung.

In diesem Jahr hat Werner, eines unserer ältesten Mitglieder beschlossen, dass dies die letzte Saison sein wird, in der er einsitzige Flugzeuge fliegt. Für einen gebührenden Abschluss seiner langen und beeindruckenden, einsitzigen Segelflugkarriere, fliegt er jeden Einsitzer noch ein allerletztes Mal. Die ASG 29 landete er in seinem letzten Flug wegen eines großen Regenschauers über Wittstock stattdessen am Airpark an der Müritz. Dort wurde er von Raphael mit dem Motorsegler abgeholt und zurück zu uns geschleppt.
Wir haben das große Glück eine richtige Rarität in unseren Vereinsreihen zu haben. Ein Flugzeug, das man nicht so oft zu Gesicht bekommt: Klaus‘ Stummel-Habicht. Dieser Stummel-Habicht ist der einzige seiner Art. Wenn man ihn sieht, sehen die Flügel auf den ersten Blick etwas zu kurz aus und eine Haube gibt es auch nicht. Stattdessen bietet dieser Retro-Flieger Cabrio-Feeling und schnelle Ruderwirkung. Bisher wurde er nur im F-Schlepp geflogen, doch in diesem Sommer hat Klaus eine Flugerprobung in die Wege geleitet, die es so auf der ganzen Welt noch nie gab: Windenstarts mit dem Stummel-Habicht! In unserem Sommerlehrgang haben wir also dabei geholfen ein Stück Geschichte zu schreiben. Wie es sich anfühlt Stummel-Habicht zu fliegen und was die Besonderheiten an diesem Flieger sind, erfahrt ihr in einem gesonderten Artikel.
Nach 14 Tagen Sommerlehrgang sind die Flugbücher dicker, die Herzen voller und die Geschichten zahlreicher. Es ist als würde man in eine andere Welt abtauchen. Aber leider müssen wir aus unserem Wunderland irgendwann wieder abreisen und packen dafür die Zelte und Flugzeuge ein. Nur ein Segelflieger sollte nicht abgerüstet in den Anhänger zurück, denn Paul hatte einen Plan: Paul beschloss die LS8 im Segelflug zurück nach Barge zu FLIEGEN. Kaum stand dieses Ziel im Raum, war wohl allen klar: Wenn einer, dann Paulchen. Der junge Scheininhaber schafft es irgendwie immer in der Luft zu bleiben, auch wenn alle anderen wieder landen. Diese zauberhafte Fähigkeit hat ihm auf dem Heimweg von Wittstock geholfen, als bei Paderborn die Wolken dünner und der Himmel blau wurde. Auch ohne Wolken, die ihm die Thermik anzeigen, schaffte er es das 18m breite Flugzeug bis zum Segelflugplatz in Barge zu fliegen und legte somit 390km Fluglinie zurück.
Jetzt geht unser Flugbetrieb wieder wie wir ihn kennen und lieben in Barge weiter. Zuhause ist es schließlich immer noch am schönsten… 🙂












































