Anfang April 2026 nahmen Noa und Leon am zweiwöchigen Alpenflugtraining des D-Kaders NRW teil. Das Trainingslager fand am Flugplatz Puimoisson in den französischen Alpen statt. Jeder Teilnehmer brachte dafür einen Einsitzer mit. Noa hat dazu den Förder-Discus “NW2” vom Förderverein Leistungssegelflug NRW e.V. bekommen und Leon durfte unsere ASG 29 mitnehmen.
Das Trainingskonzept sieht vor, dass die Teilnehmer, die noch wenig oder keine Alpenflug-Erfahrung haben, zunächst einen oder mehrere doppelsitzige Flüge zusammen mit einem Trainer absolvieren. Dazu standen zwei Duo Discen zur Verfügung. Sobald ein Teilnehmer genügend Erfahrung im Alpenflug gesammelt hat und das Flugzeug sicher durchs Gebirge steuern kann, darf er dann mit seinem Einsitzer fliegen. Dabei fliegen die Teilnehmer zunächst noch in einem engen Team mit einem der Trainer. Später dürfen dann auch zwei Teilnehmer zusammen im Team fliegen. Dabei geht es dann vor allem darum zu üben, eigenständig taktische Entscheidungen für den weiteren Flugweg zu treffen. Sehr wichtig ist hierbei auch die Kommunikation zwischen den Piloten, um sich über Entscheidungen auszutauschen und sich bestmöglich gegenseitig zu unterstützen.

Für die beiden Mendener begann das Trainingslager mit einer 1.200 km langen Anfahrt inklusive einer Zwischenübernachtung in Lyon. Nach der Ankunft in Puimoisson wurden zuerst die Chalets bezogen und danach die Flugzeuge aufgerüstet. Am nächsten Morgen fand ein umfassendes Briefing statt, in dem alle neu angekommenen Piloten über die verschiedenen Lufträume in der Region sowie über allgemeine Themen zum Flugbetrieb informiert wurden.

Am ersten Flugtag herrschte kräftiger Mistral. Dabei handelt es sich um eine Windströmung, die im Rhônetal und am westlichen Alpenrand aus nördlicher Richtung weht – oftmals für viele Tage in Folge. In großen Höhen wurden an diesem Tag Windgeschwindigkeiten von über 160 km/h vorhergesagt. Noa war bei seinem ersten Alpenflug in einem Duo Discus mit Trainer Francois unterwegs und Leon flog die ASG 29. Sie ließen sich von Puimoisson aus im F-Schlepp nach Nordwesten über das Assetal schleppen, wo direkt der Wellen-Einstieg gelang. Die Welle trug dort bis auf etwa 3.500 m, was den Sprung in die Welle im Lee des Lure ermöglichte. Am Lure konnten sie dann bis auf knapp 6.000 m steigen. Von dort ging es weiter nach Norden zu einigen schön gezeichneten Rotorwolken. Im Umfeld dieser Wolken war es angesichts der hohen Windgeschwindigkeit extrem turbulent, sodass alles, was nicht gut befestigt war, durch das Cockpit flog. Am Abend wehte der Wind am Boden mit ca. 60 km/h, in Böen auch bis zu 80 km/h. Das machte die Landung zu einer echten Herausforderung, doch glücklicherweise landeten alle unbeschadet.

im Luv einer Rotorwolke

In den darauffolgenden Tagen nahm der Nordwind langsam ab, wodurch sich die thermischen Bedingungen stetig verbesserten. So waren mehrere ausgedehnte Thermikflüge über den Parcours, nach Barcelonette und teils auch bis Briançon möglich. Das Highlight von Tag 3, an dem Noa und Leon gemeinsam mit einem Trainer unterwegs waren, war das Ausfliegen einer Wolkenstraße bis kurz vor Marseille, mit bestem Blick auf die Stadt und das Mittelmeer.

Marseille

An Tag 5 sollten Noa und Leon wieder gemeinsam fliegen, diesmal jedoch nicht mehr in Begleitung eines Trainers. Zunächst ging es über die „Ost-Route” bis ca. 20 km hinter Entrevaux, danach entlang des Verdontals und über den Col d’Allos nach Norden. Aufgrund des deutlich spürbaren Leistungsunterschieds zwischen dem Discus 2b und der ASG 29 hatte Leon bei zahlreichen Wartekreisen die Gelegenheit, die schöne Aussicht zu genießen. Nach dem Sprung über den Col de Vars erwischte Noa dann leider einen Aufwind nicht richtig und fand sich daraufhin tief unten im Tal am Westhang des Prachaval wieder. Innerhalb der nächsten Stunde gelang es ihm jedoch sich langsam wieder auf Gipfelhöhe zu arbeiten und den Rückweg nach Pui anzutreten. Dieser endete allerdings aufgrund der fortgeschritten Tageszeit und damit auch abbauender Thermik am Col d’Allos, da Noa diesen etwas zu tief für eine sichere Überquerung erreichte. Danach scheiterten mehrere Versuche an Höhe zu gewinnen und so endete der Flug mit einer unbeschadeten Außenlandung am UL-Flugplatz Les Crots, der direkt am Ufer des Lac de Serre-Ponçon liegt. Die Landung wäre jedoch vermutlich um einiges entspannter gewesen, wenn auf dem Flugplatz zu dieser Zeit kein Planierfahrzeug die Piste präpariert hätte…
Leon war derweil in eine Welle am Grand Bérard eingestiegen und von dort aus nach Westen in eine von wunderbaren Lenticularis-Wolken gezeichnete Welle geglitten. Zum Abschluss des Tages konnte er dann noch den Hangaufwind der Assetal-Kante nutzen, um bis nach Sonnenuntergang in der Luft zu bleiben.

Die NW2 am Flugplatz Les Crots. Der Fotograf befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Heimweg powered by Solo.
Sonnenuntergang über dem Assetal, im Hintergrund Lure und Mont Ventoux

In den drei darauffolgenden Tagen herrschten bei leichtem Westwind hervorragende thermische Bedingungen. So ging es für die beiden LSG-Piloten drei Mal in Folge bis nach Grenoble und teilweise auch weiter. Noa konnte an allen Tagen zusammen im Teamflug mit zwei anderen Teilnehmern einzigartige Erfahrungen machen. Anfangs ging es über den Parcours von Süden nach Norden und am südwestlichen Rand des Écrins Nationalparks weiter Richtung Nordwesten. Besonders faszinierend waren auf diesem Flugweg der Ausblick auf den Nationalpark mit seinen vielfältigen Gipfeln jenseits der 4.000 m sowie die spürbaren Unterschiede der Luftmassen aufgrund der geografischen Unterschiede im Süden und Norden. Abgerundet wurden die Flüge mit weiteren Ausblicken auf verschiedene Nationalparks verbunden mit hervorragenden Streckenflugbedingungen.
Leons Highlight aus diesem Zeitraum war ein Teamflug mit Trainer Ulrich. Sie flogen eine weiträumige Umrundung der Ecrins mit einer nördlichen Wende auf Höhe des Mont Blanc, von wo aus sich ein guter Blick auf den Genfer See bot.

„Heute wieder Klassenfahrt nach Grenoble” – Finn Paqué

An Tag 11 war Leon alleine unterwegs. Er erreichte bei Briançon die Welle und konnte danach über Bardonecchia wieder auf knapp 6.000 m steigen. Von dort aus ging es über Sollières bis etwa 20 km vor den Mont Blanc. Dort drehte er um, um noch sicher nach Sollières zurückzukommen. Nach einem erneuten Aufstieg über Bardonecchia und entspanntem Abgleiten nach Puimoisson wurde schließlich noch der Sonnenuntergang in einer Konvergenzlinie in der Nähe des Flugplatzes genossen.

auf dem Weg zum Mont Blanc
Blick nach Aosta und zum Matterhorn

Am zwölften und letzten Flugtag waren Noa und Leon zunächst wieder gemeinsam unterwegs. Sie flogen erneut über den Parcours in die Welle bei Briançon und Bardonecchia und von dort aus früh wieder zurück nach Puimoisson, da am Abend noch alle Flugzeuge abgerüstet werden mussten.
Damit endete ein ereignisreiches Trainingslager, in dem die Teilnehmer sehr viel lernen und beeindruckende Erfahrungen sammeln konnten. Das Wetter hätte kaum besser sein können und zeigte sich zudem sehr vielseitig, sodass mehrfach auch Wellen- und Hangflug möglich war. Letztlich mussten sich die Teilnehmer ihre Pausentage sogar aussuchen, da das Wetter eigentlich immer gut fliegbar war. Das Programm an den Pausentagen umfasste mehrere Besuche auf dem Markt in Riez und eine Wanderung auf die L’Agra, einer vorgelagerten Erhebung des Hausbergs von Puimoisson.

Wir danken allen Trainern und Helfern, die das Trainingslager organisiert und begleitet haben! Außerdem ist besonders der LSG Menden sowie dem Förderverein Leistungssegelflug NRW e.V. für die unproblematische Bereitstellung der Flieger zu danken.

Noa im Teamflug mit Linus

Text: Leon Bartmann

Alpenflugtraining des D-Kaders in Puimoisson